Die verschiedensten Waldrandsträucher blühen gerade. Der Schwarzdorn ist sogar schon verblüht. Der Weißdorn beginnt gerade erst. Vieles andere, das ich (noch) nicht benennen kann versorgt die Wildbienen mit Nektar und eilige Autofahrer mit einem Lächeln. Bitte verzeiht, namenlose Blütengehölze, dass ich euch nicht besser ansprechen kann.
Im Wald drinnen, weit weg vom Gehölzrand, blüht es genauso. Hätte mich jemand im Januar gefragt, ob es mitten im Wald blühende Bäume gibt, so hätte ich ihn fragend angesehen. Was willst Du von mir, Du Städter? Natürlich blüht im Wald nichts, da stehen Buchen, Fichten und vieles andere, aber keine blühenden Obstbäume. Doch ich habe mich tüchtig geirrt, ich hochnäsiger Provinzler. Die Bäume blühen sehr wohl. Zuallererst Kastanien, aber auch anderes. Ist das tatsächlich Wildobst? OK, da muss ich genauso dazulernen, wie bei den Waldrandsträuchern.
Was mich aber am meisten beeindruckt ist der blühende Waldboden. Es ist nur wenige Wochen her, als der Boden staubbraun und trocken war. Nun ist er leuchtend grün und blühend. Waldmeister, Scharbockskraut, Sternmiere, Buschwindröschen, Waldveilchen. Sie alle blühen um die Wette. Eigentlich blühen sie nicht gleichzeitig, aber sie haben sich den Wald aufgeteilt. Eine kaum sichtbare Senke, in der sich der feuchte kühle Schatten ein paar Tage länger hält, füllt sich erst jetzt mit Buschwindröschen und Scharbockskraut. Auf einer sonnigen Fläche haben Sturm und Trockenheit die Fichten vertrieben und stattdessen einen dichten Flor von Sternmieren entstehen lassen.


Lichte, Naturpark Knüll, April 2022