Neuzugänge willkommen

Am Wegesrand liegt ein verlassener Baumrumpf. Gefällt, zerteilt und liegengelassen. Ein vertrocknender Rest, den die Holzfäller, die heute wahrscheinlich eher Forstfachangestellte heißen, zurückgelassen haben. Vielleicht war der LKW schon zu schwer, um noch mehr aufzuladen. Vielleicht ist das Holz zu wertlos, dass sich die Mühe lohnt. Alles Gedanken, die in meinem Kopf herumstöbern während der Zeit, die es dauert, bis ich den toten Holzkoloss erreicht habe und an ihm vorbeilaufe.

Dann drehe ich mich um und sehe, wie der Baumstumpf zu einer Quelle neuen Lebens geworden ist.

Ruprechtskraut fällt mir als erstes auf. Weil ich es benennen kann und es bei mir im Garten wuchert. Hier hat es den gefallenen Baum erklommen. Wie auch immer es dort hinaufkam. Nun ist es Teil einer Gemeinschaft aus neuen Siedlern. Ein Löwenzahn ist dabei. Blätter, die mich an Duftveilchen erinnern. Ein Wald-Veilchen? Auch ein Gras ist mit dabei. Sicher genauso mit einem lateinischen Namen wie Viola reichenbachiana und nicht einfach nur ein grünes Büschel. Sie haben sich zusammengetan und siedeln in der Borke des Baumriesenrestes.

Ich durchstöbere meine Taschen. Vielleicht ein staubkorngroßes Saatkorn Rudbeckia? Ein Farbtupfer im Wald. Ein paar alte Kastanien, aber kein einziger Krümel Saatgut.

Lichte, Naturpark Knüll, April 2022


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