Die Mauersegler sind da! Die Flugkünstler, die allabendlich mit ihrem Sriih-Sriih um die Hausecken fegen, sind aus ihrem Winterquartier zurück! Ende April dachte ich noch darüber nach, ob der Winter endlich vorbei ist, und es Zeit für die Freilandaussaat ist, aber nun sind meine ganz persönlichen Sommerboten wieder da. Seit ich entdeckte, dass wir nicht alleine in unserem Haus wohnen, sondern auch ein Mauerseglerpaar jedes Jahr ihre Sommerfrische hier verbringt, warte ich gespannt auf die erste Maiwoche und hoffe, dass die beiden gut hier ankommen.
Anfangs sorgte ich mich, wenn es noch einmal richtig kalt wurde oder tagelang regnete. Mittlerweile weiß ich, dass die Mauersegler schlechtem Wetter ausweichen. Sie fliegen dann gerade mal so eben 50 oder 100 Kilometer weiter und suchen sich für ein paar Tage einen Platz ohne Regen. Wenn das Wetter wieder besser ist, kehren sie zurück. Für jemanden, der fast sein ganzes Leben in der Luft verbringt, ist es offensichtlich ein Leichtes einer Kaltfront davon zu fliegen.
Die Mauersegler nisten bei uns direkt unter den Dachziegeln. Übermäßige Wärme ist in ihrer Dachwohnung schlimmer als schlechtes Wetter. Im Sommer fiel schon einmal ein Jungtier aus dem Nest, weil es vor der Hitze flüchten musste, aber noch nicht fliegen konnte. Wir fanden zum Glück eine Nothilfestation für Mauersegler in der Nähe und brachten das Junge dort schnell genug zum Aufpäppeln vorbei. Seitdem sind die Mauersegler unsere besonderen Freunde und wir achten bei großer Hitze sehr genau darauf, ob einem der Jungtiere Gefahr droht.
Kaum zwei Wochen nach den Mauerseglern tritt mein zweiter Sommerbote auf den Plan: Der Holunder. Mittlerweile ist es warm genug, wieder draußen zu frühstücken. Dabei geht mein Blick von der Terrasse aus direkt zu einem Holunder, der vor Jahren als wilder Trieb aus der Hecke herauswucherte. Ich schnitt ihn Stück für Stück so zurück, dass er mittlerweile ein kleiner Hochstamm ist.
Kalendarisch ist die Ankunft der Mauersegler eine Woche vor den Eisheiligen und die Holunderblüte eine Woche danach. Nun kündigt sich vorsichtig der Sommer an. Und gleichzeitig schleichen noch die allerletzten Nachzügler des Winters herum. Die Übergänge von einer Jahreszeit zur nächsten sind letztlich individuelle Entscheidungen. Jeder hat seine ganz eigenen Bilder für den Sommer vor Augen. Das kann eher romantisch sein, mit Kindheitserinnerungen von endlosem Sonnenschein zwischen Ostern und Erntedank. Oder auch eher nüchtern, mit der Wegwarte als Zeigerpflanze des phänologischen Hochsommers. Es bleibt die persönliche Entscheidung aufgrund der eigenen Erfahrung und der Rhythmen der Natur zu entscheiden, dass jetzt bald der Sommer naht.


Homberg/Efze, Mai 2022