Die große Wiese auf dem Weg zum Schwarzen Moor ist einer meiner Lieblingsplätze. Die Wiese wimmelt vor Bunt. Die Grundfarbe ist das Gelb des Scharfen Hahnenfußes. Dazu überraschend viel Braun und Rosa. Braun nicht als verdorrte Pflanzen oder kahler Boden. Es sind Gräser, deren Spitzen die braunen und rosafarbenen Farbtöne beisteuern.
Gleich auf den ersten Schritten winkt mir auch eine ganze Schar von Kuckuckslichtnelken entgegen. Mit ihren filigranen Blütenblättern sehen die Blüten immer so aus wie zerknüllte Papierstreifen. Auch Witwenblumen sind reichlich über die Wiese verteilt.


Ich dachte lange, die Wiese sei bereits ein Teil des Moors. Erst die Flyer aus dem Infohäuschen haben mir erklärt, dass es eine Magerwiese ist. Natur ist ganz einfach, denkt man oft. Gerade im Vergleich zu unserer modernen und hochtechnischen Welt erscheint ein Wald oder eine Wiese als einfach. Sind halt ein paar Bäume. Nix Besonderes. So Blütenzeugs. Ohne Hilfe verstehe ich allerdings nicht einmal so etwas einfaches wie dieses Blütenzeugs. Sonst hätte ich nicht ein Jahr lang Witwenblume und Skabiose verwechselt. Und der Unterschied zwischen Magerwiese und Moor fällt mir auch erst beim dritten Besuch auf.
Auch eine einfache Wiese kann vielschichtig und komplex sein. Ist unsere moderne Welt im Gegenzug dann vielleicht nur verwirrend aber viel weniger komplex, als sie gerne erscheint?

Schwarzes Moor, Biosphärenreservat Rhön, Juni 2022