
Gavin Maxwell beschreibt die Zeit, die er an der schottischen Westküste erlebt hat, aus der Perspektive der Lebenserinnerungen. Er bezieht 1950 ein sehr einsam gelegenes Haus, das er selbst herrichtet und möbliert. Er lässt allerdings auch vieles aus. Was genau er nun erlebt hat, und wie das Leben dazwischen aussah, erfährt der Leser nicht. Über weite Teile beschreibt er, was an diesem Leben alles mühsam ist und wie lange es dauert, bis die Post ihn erreicht. Nach hundert Seiten erwähnt er am Rande, dass er monatelang gar nicht dort lebt, sondern in London ist. Selbst als sein so sehr geliebter Hund im Sterben liegt, überlässt er diesen der fürsorglichen Nachbarin und fährt erneut nach London.
Weshalb hält er so ein Gejammer, wie weit es bis zum nächsten Laden ist, wenn er offensichtlich problemlos bis nach London reisen kann? Ich weiß nicht, wie bewusst er beim Schreiben „vergessen“ hat, dass er nicht dauerhaft dort wohnt. Ob er also bewusst so schreibt, als lebte er einige Jahre durchgehend dort oder ob dieser Eindruck nur im Kopf des Lesers entsteht, weil das Buch nur die Erlebnisse aus Schottland enthält und die Zeit an anderen Orten übersprungen wird. Ich suche daher nach weiteren Informationen über Gavin Maxwell. Das wenige, dass ich finde, bestätigt die Beschreibung von Sascha Mamczak im Vorwort. Maxwell hat das Haus in Schottland durchaus genutzt, aber nicht dauerhaft dort gelebt, sondern immer wieder auch in London.
„Ein Ring aus hellem Wasser“ sind die Lebenserinnerungen des Autors. Der Aufkleber „Nature Writing“ dient nur dem Marketing. Als die deutsche Ausgabe 2021 erschien, war das Nature Writing gerade ein populäres Schlagwort.
Von der Idee her lässt sich Gavins „Ring“ eher mit Lilian Beckwiths „Die See zum Frühstück“ vergleichen:
Eine einzelne Person zieht unter ungewöhnlichen Umständen in eine Region mit sehr einfachen Lebensverhältnissen.
„Die See zum Frühstück“ spielt zu einer ähnlichen Zeit auf den unweit gelegenen Hebriden. Im Gegensatz zu Maxwells mühevollem Jammern ist es ein fröhliches Buch. Es lädt ein, sich ersteinmal eine Kanne Tee zu kochen und spätestens nach vier, fünf Seiten sucht man sehnsüchtig nach Rezepten für selbstgemachte Scones.
Am Ende des ersten Drittels des „Rings“ stirbt der Hund. Ohne irgendeinen Übergang macht Maxwell eine zweimonatige Reise durch den Irak. Ganz so wie unsereins übers Wochenende zu alten Schulfreunden nach Fallingbostel fährt. Einen neuen Hund kann er sich nicht vorstellen. Auch alle anderen Tiere kann er sich als Haustier nicht vorstellen. Aber ein Otter, das wäre doch schön.
Ja, genau, so habe ich das auch gemacht, als unser Hund gestorben ist. Da bin gerade mal in den Irak gefahren und habe mir einen Otter gekauft. Der erste ist zwar eingegangen. Warum auch immer, ich weiß es nicht, ich habe ja keine Ahnung von Ottern. Mein Kumpel, mit dem ich unterwegs war, hat ihn dann über Bord geworfen. Wir waren gerade mit einem Kanu unterwegs, als der Otter einging. Da ist es doch normal, dass wir ihn ins Wasser geworfen haben, oder?
NEIN! Das ist alles ganz überhaupt gar nicht normal! Auch wenn Maxwell sich später besser um seinen Otter kümmert und Touristen noch heute zum Grabstein eines der Otter fahren, das ist alles kompletter Unsinn.