Ich verlasse das wimmelnde Bunt der zahllosen Frühsommerblüten.
Die Holzbohlen des Weges geben meinem Schritt Verlässlichkeit. Dicke, regelmäßige Bretter, von Wind und Wetter abgeschliffen. Rechts und links neben mir ein Wald aus Birken. Der Weg mitten hindurch. Kühler, leiser als auf der Wiese. Haben Blüten und Gräser und Farben einen Klang? Wie viel stiller es zwischen den schlanken grauweißen Birken plötzlich ist. Als sei die Wiese ein Karneval aus Farben und Tönen, den ich nun hinter mir lasse.
Birken, Himmel, Stille.
Die schlank aufragenden Birken sind nicht mehr alleine. Neue Gesellen mischen sich dazwischen. Windschiefe Gestalten, die Arme alle in eine Richtung, als jagten sie einem unsichtbaren Schatz nach. Dabei seltsam krumm wie vom Licht überraschte Trolle. Manchmal auch wie bucklige Alte.
Sind die Kiefern hier eigentlich Eindringlinge? Gehören denn nicht nur Birken wirklich hierher? Was wollen die Kiefern denn hier? Stück für Stück rücken sie vor und darben dann doch. Ist das der Fluch der Eindringlinge? Haben sie sich zu weit nach vorne gewagt? Nur um windzerzaust zu verdorren? Im Auge des Moores zu versinken?
Weg will ich von den düsteren Fängen.
Das Wollgras tupft Hoffnung in die düstere Landschaft. Vom immerwährenden Wind wird es hin und her gezaust. Eine Horde von Spatzen, die fröhlich umhertollen.




Schwarzes Moor, Biosphärenreservat Rhön, Juni 2022