Das wäre der Weg gewesen

Ein sonniger Herbsttag. Das typische Reisewetter für Kraniche. Es sind keine zu sehen, aber ich spüre, wie ihre Stimmen den Nachmittag durchströmen werden. Endlich nehme ich mir die Zeit, den angefangenen Weg weiterzugehen. Noch ist es Ringen mit der Zeit und dem Brotberuf und in Wirklichkeit mit mir selbst. Ich beginne mich selbst wichtiger zu nehmen als die Arbeit. Noch schlägt das Pendel sehr zugunsten der Pflicht. Aber ihre Macht schwindet mehr und mehr. Es tut gut, bei mir selbst zu sein.

Ich bin raus aus dem Dorf, weg von der Straße. Ein kurzer Kilometer noch, dann beginnt der Weg, den ich heute erkunden möchte. Doch was ist das? Ein Baum quer über meiner Strecke. Darf ich hier nicht vorbei? Sofort denke ich, die Sperre gilt Fußgängern wie mir. Welcher Förster mag hinter dem Baum stehen und mich zurechtweisen? Welcher Bauer wird zeternd auf seinem Traktor heranfegen, weil ich seinen Acker zertrample? Oh Mann, so weit bin ich noch weg davon mit freien Gedanken auszuschreiten und die Landschaft um mich herum zu erkunden.

Als ich dann doch um das Hindernis herumlaufe, sehe ich, wie übel der Baum gestürzt ist. Im Fallen hat er sich noch den Arm verrenkt. Es tut mir weh, den halb abgerissenen Ast anzusehen.

Nicht alles gilt mir. Manches ist einfach zur gleichen Zeit am gleichen Ort wie ich.

Naturpark Knüll, Oktober 2022


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