Es ist Winter geworden. Ein tiefer kalter Wintertag. Die Sonne glitzert im Schnee. Große blättrige Schneekristalle säumen den Weg. Ich erkunde ein neues Puzzleteil für meine Knüllwanderungen. Damit ich nicht jedes Mal den Weg wieder von vorne laufen muss, habe ich mir eine leicht erreichbare Zwischenstation gesucht. Von dort laufe ich das verbleibende Stück zur Kranichhütte.
Auf der Landkarte, die wohlig warm auf dem Schreibtisch liegt, ist es eine gerade Linie, die mich auf dem Weg Nummer 11 zur Hütte bringt. In der Natur ist der Weg als Nummer 9 ausgeschildert und macht zahlreiche Schlenker. Ein einziges Mal stand „Knüllköpfchen“ ausgeschildert und an einem Holzstapel verliert sich die Beschilderung vollends.
200 Meter über ein Feld sehe ich einen Unterstand. Fußspuren führen über das Feld. Ein Weg von dort aus weiter ist nicht zu sehen. Ich bleibe weiter auf dem Weg geradeaus und ende nach 500 Metern an einer Kreuzung aus Trampelpfaden.
Die Sonne ist hinter trüben Wolkenschleiern verschwunden. Kein Mensch weit und breit. Ein frostiger Winternachmittag ist keine gute Zeit unbekannte Wege auf Verdacht zu erkunden. Überhaupt, Neues erkunden, ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Ich mag es, mich an einem Ort auszukennen. Ich bin das Gegenteil von „mich reizt es fremde Kulturen und Länder kennenzulernen“.
An der Kreuzung aus Trampelpfaden folge ich der Spur des Forstgeländewagens über die Wiese. An einem Graben muss die Autospur abdrehen. Die Tierspurenfolgen weiter dem Waldrand. Ein Grund mehr, lieber Tiere als Autos zum Vorbild zu nehmen. Die Hasenspuren führen leichtfüßig über die Wiese, während ich bei jedem Schritt die dünne Eisschicht der Wiese durchbreche. Entlang des Waldsaumes stapfe ich zurück zum unbekannten Unterstand. Von dort wieder auf den beschilderten Weg.
Ich bin froh, wenn die Puzzleteile in meinem Kopf zur tatsächlichen Landschaft passen. Das entspannt mich. Noch passt dieses Puzzleteil nicht in die Wirklichkeit.


Naturpark Knüll / Hülsa, Dezember 2022