Ein zweites Mal mache ich mich auf die Suche nach dem fehlenden Stück meiner Vorstellung zwischen Silberberg und Knüllköpfchen. Noch immer ist es bitterkalt. Doch heute fast ohne Schnee.
In sonniger Kälte läuft es sich viel angenehmer als über verschneiten Weg. Ganz gleich wie pittoresk Schneelandschaften auf Fotos aussehen. Und doch dauert es eine ganze Weile, bis ich die nahe geglaubte Hütte erreiche. Ein vereister Bach erinnert daran, dass weiterhin Winter ist.


Manche Schilder am Wegesrand oder auch mitten auf den Teer gemalt fallen mir bei diesem zweiten Versuch besser auf. Der Abzweig zur Hütte fehlt auch dieses Mal. Mittlerweile weiß ich, dass von dort aus der weitere Weg ausgeschildert ist. Nur deshalb biege ich vom vermeintlichen Hauptweg ab.
Mit der zunehmenden Höhe kommt der Schnee zurück. Die sonnige Landschaft hat schon etwas Frühlingshaftes. Doch der Wald um die Hütte macht deutlich, wie weit es zum Frühling noch ist. Der schattige Wald bietet dem Schnee einen Zufluchtsort. Die Macht der Sonne endet am Waldrand. Unter dem Schnee eine Mischung aus Herbstlaub und gefrorenem Matsch.
Heute schaffe ich es bis zum Wegweiser Hasenstrauch III. Mein Ziel habe ich nun von der zweiten Seite aus eingekreist. Unwillkürlich muss ich an einen Satz von Nan Shepherd denken „So I am on the plateau again“.
Noch habe ich das Knüllköpfchen nicht umrundet wie Nan das Plateau der Cairngorm Mountains. Noch muss aufpassen, dass die Beschreibungen meiner zwei-, dreistündigen Spaziergänge nicht echten Wanderern in die Hände fallen. Oder den Bundeswehrsoldaten, deren 30 Kilometer Marsch ich heute kreuzte.
Wo werden wohl die Wegweiser Hasenstrauch I und II sein?


Naturpark Knüll / Hülsa, Februar 2023