
„Das geheime Leben der Eule“ ist ein schmaler Band von gerade einmal 103 Seiten, der sich an einem Wochenende lesen lässt. Der eigentliche Text beginnt auf Seite 11. Dazu gibt es zahlreiche leere Seiten und eigene Blätter für den Kapitelanfang. Es mögen also etwa 70 Seiten Text bleiben. Die Eule ist das erste einer ganzen Reihe von ähnlichen Büchern. Es geht weiter mit Eiche, Lerche, Hase, Fuchs.
Lewis-Stempel schreibt in seinem Buch „Im Wald“, dass er sich nicht aus Naturautor sieht. Das Schreiben ist für ihn ein zweites Standbein neben der Landwirtschaft. Andere haben einen Hofladen oder eine Biogasanlage. Er schreibt Bücher.
Beim Lesen von „Im Wald“ war ich von diesem Ansatz verwirrt. Ich dachte, so kann nur jemand schreiben, der eine Verbindung zur Natur hat. Diese Verbindung hat Lewis-Stempel sicherlich. Doch es ist für ihn nicht der Kern seines Schreibens.
Das gesamte Buch liest sich wie ein gut gemachter Wikipedia-Artikel. Die trocken-sachliche Schreibweise eines Lexikons ist durch einen gut lesbaren literarischen Stil ersetzt. Anstatt sich über zahlreiche links zu den verschiedenen Unterthemen zu hangeln, ist alles in einem Text zusammengeführt. Außerdem ist es noch ein sehr schön gestaltetes Buch. Quasi ein Offline-Lexikoneintrag über Eulen.
Vielleicht würde es lohnen, aus dem Wissen von Lewis-Stempel und den zahlreichen Verweisen quasi rückwärts, einen neuen Wikipedia-Artikel zu erstellen, der dann mehr bietet als eine Aufzählung der verschiedenen Eulenarten und ihre Verbreitung.
Was mich hellhörig macht, ist der für die Zeit ab 1960 beschriebene Rückgang im Bestand der Eulen. Ähnlich beschreibt es J.A.Baker zur gleichen Zeit für die Wanderfalken. Das ist für mich der Anstoß endlich „Der stumme Frühling“ von Rachal Carson zu lesen. Immer wieder beziehen sich Naturautoren auf die Folgen des DDT-Todes, so dass ich nun einmal Carsons Originaltext zu diesem Thema kennenlernen möchte.
(Selbst auf die Gefahr hin, mich nach der Lektüre vor dem Hauptquartier der immer noch prächtig verdienenden Pestizid-Hersteller auf die Straße zu kleben. Nicht als „letzte Generation vor den Kipppunkten“ sondern als erste nach dem DDT-Tod.)