Der Blechkisten-Nomade
Der Blechkisten-Nomade ist ein Bericht über eine Reise in die USA. Die Reise fand 1983 statt und führte hauptsächlich durch verschiedene Nationalparks. Der Text ist ein eigenständiger Teil des Buches „Niemandland“.
Hey, es gibt sie doch, richtig gute zeitgenössische Naturliteratur! Sogar auf Deutsch und nicht einmal ein Vorwort von Robert Macfarlane. Eine ganz andere Art von Text, als viele der aktuellen Naturbücher. Ein sehr angenehmes, persönliches Schreiben. Trommer ist dabei so ehrlich, dass er auch misslungene Erlebnisse nicht auslässt.
„How to teach ecology?“, eine Fragestellung, die immer wieder auftaucht. Wie ein roter Faden. Oder eher wie ein Anfangspunkt, an den Trommer immer wieder zurückkehrt, dann neu aufbricht, Dinge erlebt, die ganz viel mit Natur und seiner Beziehung zu ihr zu tun haben, bis er sich wieder an sein ursprüngliches Thema erinnert. Oder aber auch von der nächsten Station seiner Reise daran erinnert wird.
Erst ganz am Ende von „Der Blechkisten-Nomade“ beginnen die detaillierten Aufzählungen des Reisealltags doch etwas viel zu werden. Ich muss als Leser nicht für jede Übernachtung im Mietwagen wissen, wie sich die Sitze umklappen lassen und wie sehr das Licht auf dem Parkplatz leuchtet.
Anfangs gehe ich davon aus, dass es für „Niemandland“ eine Art Gesamtkonzept gibt. Später, nach knapp zwei Dritteln des Buches ist klar, dass die einzelnen Kapitel jeweils eigenständige Texte sind. Die Frage „How to teach ecology?“ ist ein gelungener Handlungsfaden, der sich durch „Der Blechkisten-Nomade“ zieht, aber im Rest von „Niemandland“ nicht mehr auftaucht. Ich hätte „Der Blechkisten-Nomade“ lieber als eigenständiges Buch gelesen. Gefordert eine Zusammenfassung zu formulieren, würde ich sagen „Da macht einer eine Reise durch nordamerikanische Nationalparks und schreibt auf, was ihm so durch den Kopf geht.“
Niemandland

„Niemandland“ ist eine Sammlung von Reiseberichten. Die Reisen wurden von Gerhard Trommer alleine oder mit seiner Frau unternommen. Dem Sammelband „Niemandland“ fehlt jedoch ein zusammenfassendes Thema oder zumindest eine Erläuterung, weshalb genau diese Texte zusammen publiziert wurden und in welcher Beziehung sie zueinanderstehen. Ohne solch eine Erläuterung stolpere ich als Leser von Text zu Text und es bleibt unklar, weshalb nun dieser oder jener Naturpark durchwandert wurde. Meine anfängliche Begeisterung verläuft sich in der wahllosen Ansammlung immer neuer US-Nationalparks.
Die auf der Buchrückseite beschriebene Wanderung in Norwegen zusammen mit einer Gruppe Studenten, ist nur zu einem geringen Teil der Inhalt des Buches. Es ist vielmehr die Schlussfolgerung des Autors aus seinen eigenen Erfahrungen in Nordamerika. Mir wurde dieser Zusammenhang erst nach dem Lesen des Buches klar. Die kurzen Texte auf der Buchrückseite sollen doch eigentlich dazu dienen, das Buch vorzustellen und zur Entscheidung führen, das Buch lesen zu wollen. Schade, wenn man gerade diesen Text erst nach dem Lesen des gesamten Buches versteht. Es ist quasi nicht die Rückseite des Buches, sondern die letzte Seite des Textes.
Für mein eigenes Schreiben lerne ich durch die Lektüre von „Niemandland“: Es geht nicht darum, jeden Anstieg, jedes Mittagessen und jedes Übernachtungswetter detailgenau zu schildern, sondern das Wesen der Dinge.
„Das Wesen der Dinge zu ergründen, das ist es, was ich hier versuche. Das ist weder einfach noch in einer Stunde zu bewerkstelligen. Es ist eine Schilderung, die zu langsam ist für die Ungeduld unserer Zeit. Ihre Bedeutung für die drängenden Probleme ist nicht unmittelbar genug.“ (Nan Shepherd, Der lebende Berg)
It is to know its essential nature that I am seeking here. This is not done easily nor in an hour. A tale too slow for the impatience of our age, not of immediate enough import for its desperate problems.“