
Am Anfang bin ich begeistert: Welch ein Unterschied zu anderen Wald- und Naturbüchern!
Ja, Gerald Klamer läuft im Wald herum, wie andere Autoren auch. Doch sein Blickwinkel ist ein gänzlich anderer. Hier läuft ein Forstwissenschaftler. Einer, der sich auskennt, welcher Baum, wo wie gut wächst und welche Schäden die Bewirtschaftung des Waldes hinterlässt.
Nach 60 Seiten habe ich mich durch Sauerland, Siegerland, Eifel und Hunsrück gelesen und bin ernüchtert. Auf ein „Ich folge dem 85 Kilometer langen Rothaarsteig“ folgt ein „Ich folge nun dem 123 Kilometer langen Moselhöhenweg“. (Namen und Längen sind beliebig austauschbar). Mal sind es Fichten. Mal sind es Buchen und Eichen. Mal sind es abgestorbene Fichten und mal sind es dann wieder Mischwälder. Puh. Also wenn das die restlichen 5000 km in der gleichen Weise weitergehen soll, dann ist für mich spätestens am Bodensee Schluss.
Die regelmäßige Wiederholung, dass ein Tarp kein Zelt ist, dass nur Zelten im Wald verboten ist und nicht das Übernachten, sowie dass es nachts noch einmal Frost gab, sind einfach zu wenig, um die anfängliche Begeisterung am Leben zu erhalten.
Ich weiß jetzt zwar, wo wie viele Fichten wachsen und wie sich ein Wald nach einem Sturm am besten erholt – aber das im Untertitel versprochene „was wir jetzt für unsere Wälder tun können“ kommt nicht vor. Eine Unterstützung für den Wald ist Gerald Klamers Wanderung bisher nicht. Weder durch Gerald Klamer noch durch den Leser.
Alle 50 Kilometer trifft er sich mit einem anderen regionalen Beauftragten, der schon seit vielen Jahren besonders naturnah arbeitet. Ich frage mich, wo die zahlreichen Fichtenmonokulturen herkommen, bei so vielen naturnah arbeitenden Forst-Menschen. Im Saarland ist der naturnahe Waldbau sogar seit 1988 gesetzlich verankert, wie der Umweltminister des Saarlandes stolz berichtet. Mit dem Wald ist also alles supertiptopp und ich brauche gar nichts für ihn tun.