
„Federleicht“ vom Autorenteam Eva Goris und Claus-Peter Hutter ist ein literarisches Sachbuch mit persönlicher Note. Das Buch schildert mehrere Monate im Leben eines konkreten Spatzen und bindet gesonderte Kapitel zur Historie und der Biologie mit ein.
Für die Puristen des Nature Writings entspricht „Federleicht“ sicherlich nicht dem geforderten Maß an „Geschichte der menschlichen Naturaneignung“. Wahrscheinlich ist nicht einmal die „Dialektik von äußerer und innerer Natur erfüllt“. Sei’s drum. Das Buch liest sich gut und macht auf die schlechte Situation eines Alltagstieres aufmerksam.
Gleich im zweiten Kapitel taucht ein Thema auf, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht: Insektensterben. Alles ist mit Allem verbunden und der zivilisierte Mensch verschlechtert durch seinen Lebensstil fast alles davon. Große Äcker und viel Kunstdünger führen kurzfristig zu mehr Ertrag. Den Preis dafür zahlen die vielen Lebewesen um uns herum, die in der Welt des permanenten Wirtschaftswachstums nicht zählen. Warnungen vor den Folgen des Insektensterbens gibt es seit den 1960er Jahren. Rachel Carson hat mit „Der stumme Frühling“ zwar einen Anstoß zum Verbot des Insektengiftes DDT gegeben. Ein Ende der Jagd auf „Schädlinge“ war dies leider nicht. Heute heißen die Mittel eben N-Phosphonomethyl-glycin (Glyphosat) anstatt Dichlor-diphenyl-trichlorethan (DDT), aber geändert hat sich wenig.
Die sehr schönen Aquarelle der Spatzen auf dem Cover sind im Innern des Buches leider in blassen Grautönen wiedergegeben. Ich würde gerne auf die Mehrzahl der Abbildungen verzichten, wenn der Rest dafür mit guten Kontrasten und in Farbe wäre.