Neben dem Knüllköpfchen ist der Eisenberg die höchste Erhebung der Region. Die Informationen des Naturpark Knüll weisen immer wieder auf den Eisenberg hin. Das macht mich neugierig und ich möchte den Eisenberg kennenlernen. Über die ausgeschilderten Wanderwege sind es für mich bis zum Eisenberg etwa 25 Kilometer. Wenn ich am gleichen Tag wieder zurück nach Hause möchte, ist es für eine direkte Wanderung zu weit. Für einen ersten Besuch fahre ich deshalb mit dem Auto. Nur hundert Meter nach dem Wanderparkplatz beginnt eine Hochebene mit Wiesen, Wind und weitem Blick. Vieles, was ich aus der Rhön kenne, finde ich hier wieder. Ganz besonders meine Lieblingswitwenblumen. Zahlreichen mir unbekannte Schmetterlinge umschwärmen die Blüten.
Ach ist das schön hier oben!


Immer wieder bleibe ich stehen und genieße die Aussicht oder nehme mir Zeit, einen einzelnen der Schmetterlinge zu beobachten. Ich folge ihm von Blüte zu Blüte. So weit es geht nur mit den Augen. Dann auch mit vorsichtigen Schritten. Lange Zeit grämte ich mich, weil ich so wenige Insekten und Pflanzen benennen kann. Aber ist es wirklich so wichtig, den genauen Namen zu wissen? Für einen Austausch mit Schmetterlingsforschern oder einen Bericht zur Artenvielfalt. Ja, dafür muss ich alles benennen können. Ich bin kein Forscher. Ich bin ein Waldschreiber. Nach und nach entdecke auch ich einige Namen, aber ich brauche sie nicht, damit mir das Herz aufgeht.
Im Gegenteil, diese negativen Gedanken „ich müsste mehr Schmetterlinge benennen können“ oder „ich kann nicht über Natur schreiben, wenn ich nicht weiß, wie die Pflanzen heißen“ vergällen mir die Zeit hier oben. Während ich schaue und grüble, kreisen über mir zwei Rotmilane. Die ganze Zeit schon. Welche Namen sie wohl den Schmetterlingen geben? Und dem Menschen, der unter ihnen entlangwandert? Ich scheuche meine Gedanken zum Donnerdrummel und schaue den Rotmilanen zu.


Kreisen, gleiten, beobachten.
Nun sind es schon drei.
Die Rotmilane fegen durch ihre Welt.
Segeln, stürmen, tosen.
Immer wilder geht es zu.
Ein wilder Tanz in der Luft.
Das ist kein Tanz mehr, das ist eine Jagd.
Doch wer von den dreien soll vertrieben werden? Wer ist Jäger und wer Gejagter?


Wir sind alle am gleichen Ort. Wiesenwitwenblumen, Rotmilane, ich. Jeder von uns sieht andere Dinge um sich herum. Jeder schleppt andere Gedanken im Kopf herum. Und alle zusammen, wir drei und die Wiesen und die Schmetterlinge und die Weite, sind jetzt in diesem Moment diese Landschaft.

Eisenberg, Naturpark Knüll, Juli 2023