
„Auf Schneeschuhen durch Grönland“ beschreibt die Wanderung Nansens von der Ostküste Grönlands quer über das Eisschild nach Godthab (heute Nuuk) im Jahre 1888. Die Wanderung über das Eis begann südlich des heutigen Tasiilaq. Mit der Durchquerung Grönlands wollte Nansen herausfinden, wie das Land abseits der Küsten beschaffen war. Es hatte bis dahin nur wenige und kurze Expeditionen ins Landesinnere gegeben und es gab die verschiedensten Theorien von grünen Oasenstädten bis zu Siedlungen von Pygmänen.
Schon hundert Jahre vor Nansen fuhr Goethe mit der Postkutsche nach Italien. Das war sicherlich mit heutigem Komfort nicht zu vergleichen, aber dennoch war es eine Reise im Gegensatz zu Nansens Expedition, bei der nicht sicher war, ob er zurückkehren würde. Zu einer recht modernen Zeit war Grönland also noch immer sehr unbekannt.
„Auf Schneeschuhen durch Grönland“ bietet interessante und vielfältige Einblicke in die Landschaft und die damalige Lebensweise in Grönland. Eine deutliche Kürzung des Textes und die Streichung der zahlreichen Wiederholungen hätten dem Buch gutgetan.
Nansen und sein Team werden per Schiff bis an die Ostküste Grönlands gebracht. Sie wollen mit Ruderbooten das kurze Stück bis zur Küste zurückzulegen und dort mit der Durchquerung Grönlands zu beginnen. Die Umsetzung erweist sich allerdings als deutlich schwerer als geplant. Tagelang treiben die Boote Richtung Süden an der Küste entlang, ohne dass es gelingt Land zu erreichen. Fast werden die Boote bis über die Südspitze Grönlands hinaus in den Atlantik getrieben. Als sie schließlich den Gürtel aus treibenden Eisschollen überwinden können, rudern sie mühsam weit nach Norden zurück, um eine passende Stelle zum Anlegen zu finden.
Bei aller Begeisterung für die Leistung von Nansens Männern, wird bereits vor der eigentlichen Expedition die Schwäche des Buches deutlich: Nansen braucht 80 Seiten um an der Ostküste Grönlands entlangzutreiben. Wieder und wieder beschreibt er jede einzelne Eisscholle, die am Ruderboot vorbeitreibt, jede einzelne Eisscholle, auf der sie ihr Lager aufschlagen und jede einzelne Eisscholle, die sie nicht erklimmen können. Ich hatte zwischenzeitlich die Hoffnung aufgegeben, dass sie die Küste je erreichen werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Fahrt durch das Treibeis eine unglaubliche Leistung war, die genaueste Schilderung dieser Leistung ermüdet allerdings eher, als dass sie Begeisterung oder Hochachtung hervorruft.
Schließlich erreicht Nansen die Küste und kann mit der Vorbereitung der Eiswanderung beginnen. Die Ausrüstung wird umgebaut oder zurückgelassen. Die Durchquerung Grönlands beginnt mit einem kräftezehrenden Anstieg auf das Eisplateau. Nansen kennt zwar die Karten der Region, aber diese sind oft ungenau oder bruchstückhaft.
Der Satz eines von Nansens Begleitern „Wie weit es von einer Küste bis zur anderen ist, das kann niemand wissen, denn hier ist noch niemals ein Mensch vor uns gegangen.“ drückt die Lage sehr gut aus. Genau so ist es, aber genau dies gerät bei den täglichen Berichten über jeden neuen Schneesturm und viele, viele andere Details in Vergessenheit.
Endlich ist das Eis überwunden! Nansen und seine Mannen erreichen eisfreien Boden und das innerste Ende eines Fjords an der Westküste. Die Gruppe teilt sich nun auf und nur zwei Männer gehen weiter. Doch, Weh, es dauert auch von hier aus noch einmal allerlei Strapazen, einen improvisierten Bootsbau und mehrere Tage bis endlich die erste Siedlung und dann auch Godthab erreicht ist.
Die Ankunft in Godthab wird ausführlich gefeiert. Über die ersten Tage wird vor allem sehr viel gegessen. Nansen und seine Leute schlingen jeden Bissen in sich hinein, um den gesamten Hunger der letzten Wochen zu vertreiben. Die sehnsüchtig erhoffte Rückfahrt nach Oslo kann erst im nächsten Frühjahr stattfinden, da das letzte Schiff verpasst wurde. Zu viele Unwägbarkeiten haben die Ankunft an der Westküste weit über den geplanten Termin hinaus verschoben und Nansen muss damit leben, dass in der Heimat weitere Monate lang niemand erfährt, dass die Reise ein glückliches Ende genommen hat. Die Gruppe schwankt zwischen dem Wunsch, möglichst bald ein Schiff nach Europa zu bekommen, und den vielfältigen Eindrücken des Lebens in Grönland.