Ich bin durch die außerordentlichen Postkarten von Colin Baxter und die beeindruckende Malerin, Autorin und Naturschützerin Beatrix Potter auf den Lake District aufmerksam geworden. Erst später habe ich auch Alfred Wainwright und seine Wanderführer „A pictorial guide to the Lakeland Fells“ entdeckt.

A pictorial guide to the Lakeland Fells ist eine bisher nur auf Englisch erhältliche Reihe aus sieben Bänden. Alfred Wainwright beschreibt darin die Routen zu allen 214 Hügeln und Bergen des Lake Districts in Nordengland. Alfred Wainwright hat über viele Jahre an seinen Büchern gearbeitet. An jedem Wochenende war er im Lake District unterwegs. Die Abende verbrachte er damit, die gefundenen Wege und seine Erfahrungen aufzuschreiben. Beim Lesen von Wainwrights Beschreibung wird sofort deutlich: Hier schreibt einer, der wirklich selbst dort war und diese Wege gegangen ist. Es gibt sogar Hinweise, welcher der verschiedenen Wege bei Nebel gefährlich ist.
Eine Besonderheit der sieben Bände der Reihe ist, dass Wainwright den gesamten Text von Hand schrieb. Wainwright schrieb jede einzelne Zeile, jede Fußnote von Hand. Auch die Abbildungen zeichnete er von Hand. Dies war kein Entwurf, der noch abgetippt oder bearbeitet wurde. Wainwright erstellte jede Seite des Buches als vollständig fertige Seite, die so wie er sie abgab, gedruckt wurde. Jeden Tag schrieb er eine Seite. Technisch gesehen sind die Bücher also ein Faksimile, eine originalgetreue Kopie einer Handschrift.
Bei meinem ersten Besuch des Lake District kannte ich Wainwright und seine Bücher leider noch nicht. Inzwischen habe ich mir den Band „The Central Fells“ zugelegt. Selbst innerhalb dieses einen der sieben Bände wird deutlich, wie wenig von dieser beeindruckenden Landschaft ich bisher kenne.
Im September 2024 nutze ich die Gelegenheit wenigstens einen von Wainwrights 214 Gipfeln zu besuchen. Ich folge Wainwright auf das Loughrigg Fell südlich von Grasmere und Rydal Water. Ich bin überrascht, wie viele Menschen unterwegs sind. Ja, ich habe schon oft gelesen, dass der Lake District eine Wanderregion ist, aber so viele ganz unterschiedliche Menschen tatsächlich in der Natur zu begegnen, ist für mich ungewohnt. In Deutschland bin ich gerne in der Rhön unterwegs. Dort werden die Wege schnell ruhig, sobald man abseits der Highlights wie Wasserkuppe und Milseburg ist. Hier im Lake District sind die Wege zwar abenteuerlich schlecht beschildert, und trotzdem selbst in abgelegeneren Ecken gut besucht. Bei der nächsten Reise möchte ich unbedingt weitere der Wainwright-Wege kennenlernen.

Nan Shepherd
Alfred Wainwright und Nan Shepherd haben in einer relativ ähnlichen Zeit in ihrer jeweils klar umgrenzten Regionen ähnlich lange und intensive Wanderungen unternommen. Wainwright begann 1930 mit seinen Wanderungen und schrieb von 1950 bis 1966. Die 15 Jahre ältere Shepherd schrieb ihr „Der lebende Berg“ 1940. Während Wainwright sich auf die sichtbaren Dinge konzentrierte und die Landschaft so genau wie möglich in Anleitungen für Wanderer überträgt, bezieht sich Shepherd bei ihren Wanderungen auf das Wesen der Landschaft um sie herum. Gerne würde ich mit diesen beiden bei einem gemeinsamen Tee über ihr Verhältnis zur Natur plaudern.
