
Blitzeblauer, sonnigtrockener Sommer. Als ich loslaufe, zieht plötzlich eine einzige kräftig dunkle Wolke auf und mir fällt das für den Nachmittag vorhergesagte Gewitter ein. Hätte ich doch die Regenjacke einpacken sollen? Ich hatte mir auch einmal vorgenommen, immer einen leichten Schal oder einen dünnen Wollpullover im Rucksack zu haben. Bei dem Vorsatz ist es wohl geblieben.
Auf einen Notfall-Schal muss ich also verzichten, aber ansonsten habe ich alles dabei, was ich auf einer drei- bis vierstündigen Wanderung so brauche: Teekanne, Wasserflasche, Butterbrote, Apfel, Schokokekse. Notizbuch sowieso. Am liebsten auch noch ein Ersatz-Notizbuch. Ich bin damit eher so der Vollausrüstungsoutdoormensch. Oft habe ich das Gefühl, nicht richtig zu sein, weil ich mich so ausführlich vorbereite und vieles dabei habe, anstatt gleich morgens mit dem ersten Sonnenstrahl aus dem Haus zu stürzen. Zumindest denke ich, dass andere das denken. Wo kommt dieser Gedanke eigentlich her, dass wandern oder moderner gesagt „outdooring“ spontan und minimalistisch sein muss. Olivia Laing schreibt dagegen in ihrem Buch „Zum Fluss“, dass sie gerne noch länger als eine Woche unterwegs wäre, dass sie aber ihre Wimperntusche zu sehr vermisst.
Dann bin ich mit meiner Teekanne, dem Ersatznotizbuch und einem Schal im Sommer vielleicht doch nicht so sonderbar wie befürchtet.